
Wo Männern geholfen wird
Das Männerbüro in Basel hilft seit über 30 Jahren bei allen Fragen, welche Männer haben können.
24.08.2026
Angefangen hat alles mit Gewaltberatung. Vor über 30 Jahren hat das Männerbüro der Region Basel seine Türen geöffnet. Damals ging es darum, gewaltbereite Männer zu beraten. Daraus entwickelt hat sich aber noch viel mehr. Heute ist das Männerbüro eine Anlaufstelle für Männer, Buben und Väter in allen Lebenslagen. Immer dann, wenn jemand das Gefühl hat alleine nicht weiter zu kommen, will das Männerbüro weiterhelfen, sagt der Berater Adrian Müller.
251 Männer haben im letzten Jahr den Weg ins Männerbüro in Basel gefunden. Sie alle bringen komplett unterschiedliche Geschichten mit. Ihre Probleme sind dabei so unterschiedlich wie die Männer selbst. So kann es in den Beratungen zum Beispiel um die Arbeitsstelle, Beziehungen oder um Gesundheit gehen. Das häufigste Thema sind Trennungen und Scheidungen. Oft geht es aber auch darum, die eigenen Gefühle und Emotionen wahrnehmen zu können, so Adrian Müller.
Hinzu kommt, dass sich die Erwartungen und Anforderungen an Männer in den letzten Jahren stark verändert haben. Es reicht nicht mehr nur Geld zu verdienen und die Familie zu ernähren. Immer wichtiger werden auch emotionale Themen, genauso wie die Anforderung, dass Väter ein aktiver Teil im Leben ihrer Kinder sein sollen. Die veränderten Anforderungen an den modernen Mann können zu verwirrend sein, findet Adrian Müller. So dass Männer nicht genau wissen, was sie alles tun und sein sollen.
Erschwerend kommt dazu, dass es nicht immer Vorbilder dafür gibt, wie diese moderne Version eines Mannes aussehen kann. Noch immer sei das Bild davon wie ein Mann zu sein hat, sehr klassisch geprägt, meint der Berater. Gerade für Buben und junge Männer in der Entwicklung könne dies eine Art Ziellosigkeit hervorrufen.
Dort wo gute Vorbilder fehlen, werden gerade junge Männer auch anfälliger für schlechte Einflüsse. Dazu gehören zum Beispiel die sogenannte Manosphere aber auch andere Ideologien, welche an veralteten Rollenbildern festhalten. Dazu trägt nicht zuletzt auch das Gefühl etwas zu verlieren bei. Männer haben Privilegien. Mehr Lohn, mehr Sicherheit, mehr gesellschaftliche Chancen. Durch die Emanzipation und durch den Feminismus sind dies Privilegien, welche auch Frauen sich immer mehr erkämpfen. Die Welt verändert sich also, teils rasend schnell. Und für einige Männer kann es sich anfühlen, als ob sie die Verlierer sind, sagt Adrian Müller.
Die Beratungen werden von verschiedenen Stellen unterstützt. Für die Klienten kostet eine Stunde deshalb nur 1% ihres monatlichen Nettoeinkommens. Und die Termine sind beliebt. Im letzten Jahr mussten Männer teils mehrere Wochen lang auf einen Termin warten, weil die Berater ausgebucht waren. Um mehr Klienten helfen zu können baut das Männerbüro sein Angebot deshalb auch stetig aus. Deshalb werden seit diesem Jahr zum Beispiel auch Beratungen in türkischer Sprache angeboten.